Lug ins Land/Ossinger

Lug ins Land vom Ossinger

Ich kenne die Grotte in- und auswendig und bleibe beschwingten Schrittes auf der unmerklich ansteigenden Forststraße. Nach gut 15 Minuten kreuzt ein Waldpfad (Rotes Andreaskreuz bis zum Gipfel des Ossinger). Auch das vertraute Pendolino-Abziehbild taucht wieder auf. Links halten! Nach 100 Metern den Staatsforst verlassen.

Freie Feldflur mit freier Aussicht auf die Königsteiner Kuppenalb samt Ossinger-Trabanten. Der Ossinger ist Maß und Mitte meiner Tour. Aus dem Riffdolomit des Mittleren Malm aufgebaut ist er mit seinen stattlichen 650 Metern einer der Höchsten der Frankenalb. Pfahlwegweiser inmitten freier Feldflur und am Ende eines Saatfeldes (Berghang) als Orientierungshelfer. Kleiner, aber steiler Bergbuckel lässt im Buchenwald nach Luft schnappen. Kostprobe vor dem Serpentinen-Aufstieg (nach dem gelben Metallrohr der Erdgasleitung).

Erst der Hüttenschinder verschafft dir Zugang zu Speis und Trank der Wirtsleute. Der Pirners Gerhard, 55, aus dem nahen Geißach, Miteigentümer der Gipfelregion, übernimmt die Bewirtschaftung der Hütte mitsamt Familie voraussichtlich Ende April/Anfang Mai. Er tritt in die Fußstapfen des legendären Karl Späth. Seinerzeit Hüttenwirt aus Passion. Wohlgemerkt, eine Berghütte, kein Berggasthaus, wird von Grund auf renoviert. Alles neu macht der Mai!

Zum Greifen nah die romantische Blockhütte mit Scheibengardinen, Holzveranda und einer griesgrauen Felskulisse. Leider zu später Morgenstunde noch verschlossen. Wo sich sonst zur Mittagszeit Pendolino-Wanderer (der Weg ist das Ziel) und Gipfelstürmer (erklimm das Aussichtsgerüst) die Klinke in die Hand geben. Ich muss heute leider außen vor bleiben.

Angeschlagene Wanderer, die bereits auf dem Ossinger die Flügel hängen lassen beziehungsweise ihre Kräfte schwinden sehen (immerhin sind noch gut drei Stunden zu laufen), nehmen kurzentschlossen den Albrandweg (Rotstrich) nach Königstein hinunter, kehren beim „Reifn” (der Reifwirt ist Pilzspezialist!) oder anderswo am Oberen Markt ein und warten auf den Meidenbauer-Bus (VGN-Linie 446), der sie zum Bahnhof Hersbruck rechts der Pegnitz bringt – mit „Pendolino”-Anschluss nach Nürnberg.

Noch besser: Mit Blaukreuz bergab und der Nummer 16 zum Botanischen Lehrpfad, dem Stolz der Königsteiner. Kuhschelle und Seidelbast als erste Frühlingsboten. Von Mai bis Juni aufblühend der seltene Rotbraune Frauenschuh. Karthäusernelke und Silberdistel im Frühherbst garantiert. Vorschlag: Warum nicht gleich eine Nacht in Königstein einkalkulieren, die Wanderstrecke einfach halbieren, und anderntags frohgemut weiter? Neueste Nachricht für Wasserratten: Gratis ins Freibad!

Gerüstet für den Gipfelsturm? Eintritt zum Aufstieg frei! Auf der Aussichtsplattform des 25 Meter hohen Holzturmes bläst ein frischer Wind. Sender sturmsicher installiert. Die Videogesellschaft lässt grüßen. Vogelschauperspektive als Beinahe-Rundumsicht. In den Himmel wachsende Bäume kurzerhand gestutzt.

Ein löbliches Unterfangen! Bilder zum Sattsehen an Klarsichttagen: im Nordosten der Vulkanschlot des Rauhen Kulm. Schneeberg und Ochsenkopf ultramarinfarben. Der Steinwald lang gestreckt. Im Osten die Silhouette des Oberpfälzer Waldes. Kanonendonner wie Donnergrollen vom nahen Truppenübungsplatz. Granateinschläge, Rauchpilze inmitten friedlicher Landschaft. Im Westen der Moritzberg, Hausberg der Nürnberger, die Burg Hohenstein, Wahrzeichen der Frankenalb, die Schermshöhe mit dem Fernmeldeturm, die Veldensteiner Burg mit der Waldwüste des Veldensteiner Forstes.

Holderdiepolter zur Hütte hinunter. Tausche nunmehr rotes Andreaskreuz gegen Rotpunkt im Kurzzeitgedächtnis und speichere den Punkt bis zum Zantgipfel, vierundeinhalb Kilometer von Gipfel bis Gipfel! Kurzer Schwenk um die Hütte herum und in einer Wegekurve mit dem roten Punkt (Pfeilhinweis) steil bergab. Mit Karacho hinunter zum Bergfuß und vor zum Wasserhaus. Absteigen nach Pruppach.

Rechts geht's zum Landgasthof „Zum Elsabauern”, links zur E.ONRuhrgas. Zur Linken ein 18-Loch-Golfplatz, perfekt in die Hügellandschaft eingebettet. Mehr als 120 Muskeln werden beim Golfschwung koordiniert und bewegt. Bis zu 1900 Kalorien verbraucht der Golfer bei einer durchschnittlichen Golfrunde. Der Cholesterinspiegel fällt nach 18 Löchern um zirka 15 Prozent und das Körpergewicht sinkt um etwa ein Kilo. Wer's glaubt, wird selig! Schnupperkurs gefällig? Golfrasengrün als Labsal fürs Auge. Zur Rechten auf einer Anhöhe das eingezäunte und wohlbehütete Areal des Untertagespeichers Eschen felden auf der so genannten „Eschenfeldener Kuppe”.

Das ankommende „Russengas” wird im Benkersandstein (600 Meter Tiefe) gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben. Talmulde mit Straßengabel (Beobachtungsspeicher in der Gabel). Rechts halten! In einer Kurve führen die Pendolino-Wanderung und der Rotpunkt unmittelbar in den Wald hinein (gut markiert!) und im kurzweiligen Bergauf-Bergab nach Riglashof. In der Ortsmitte (Bushaltestelle) rechts abbiegen. Rotpunkt identisch bis zu einer Wegekreuzung mit der Pendolino-Markierung.

Hier scheiden sich die Geister. Rot ist die Farbe der Gipfelstürmer, und zwar stetig steigend bis zur Gipfelhütte der Hohen Zant, 650,3 Meter über dem Meeresspiegel, eine „Einkehrstätte des Bayerischen Waldvereins” (nur lohnend bei offener Hütte!), Pendolino-Grün die Farbe der Katzenloch-Erklimmer.

Zum Katzenloch: Kratz die Kurve hinterm Waldeck! Hafte wie eine Klette am Waldrand. Kleiner Gasspeicher unterhalb. Wunderschöne  Landschaftsbilder im Halbrund garantiert. Gelbe „Gaspfähle” als Orientierungshilfsmittel. Steil hinauf zum Bergsattel. Du hörst dein Herz pumpern. Der Blick schweift weit ins Land bis zum fürwitzigen Hohenstein. Bergab im Katzenloch. Wanderwege zur Hohen Zant kreuzen.

Wegefuhre abwärts. Ein 30-Meter-Ackerstreifen, fein säuberlich über den Wanderweg gelegt, erregt des Wanderers Gemüt. Nur 50 Meter auf dem Sträßlein Eschenfelden-Mittelreinbach, dann Eintauchen in den „Gstüber-Wald”. Grünkreuz und zu guter Letzt Rotstrich, vereint mit dem Pendolino-Emblem bis Gaisheim.

 

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